Annabelle und ihre Freundinnen

Warm, wärmer, am Wärmsten. Es hat unten angefangen und steigt unerbittlich nach oben. Aus Wärme wird Hitze und eigentlich ist es jetzt unerträglich heiss. Die Haut wird feucht und das macht es noch schlimmer. Es bilden sich Tropfen, die, kitzelnd der Schwerkraft folgend, nach unten laufen. Und das auch noch in absoluter Dunkelheit. Es brodelt und pfeift in den Ohren. Zehn ganze Minuten geht das so. Dann lässt die Hitze langsam nach, weitere zehn Minuten später erhellt gleissendes Licht den Raum und ein vergleichsweise kühler Luftstrom sucht sich den Weg durch die Restwärme.

Aua! Dreimal gleichzeitig gestochen werden, ist sehr schmerzhaft. Ahh! Ein schneidener Schmerz blitzt über den Bauch, doch endlich wird sie ihrer Kleider entledigt. Annabelle entscheidet, wie ihre Freundinnen Charlotte, Cheyenne, Ditta, Erika, Gourmandine, Lady Christl und Venezia bei ähnlicher Gelegenheit schon vor ihr: im nächsten Leben komme ich als Mensch, genauer gesagt, als Frau zur Welt und nicht mehr als festkochende Kartoffel. Annabelle freut sich bereits heute darauf, dass sie dann selbst entscheiden kann, zu welchem Zeitpunkt der Wallung sie sich die Kleider vom Leib reisst.

Dieser Text ist einer meiner Namensvetterinnen gewidmet, mit der ich letzte Woche zu Mittag essen durfte. Sie schälte Gschwellti und ich fragte mich, warum die Schale bei Hitze nicht einfach abfällt. Mit ein bisschen Gen-Manipulation sollte das doch möglich sein.


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Ein Kommentar zu “Annabelle und ihre Freundinnen

  1. Super.
    Ich bin doch immer wieder erstaunt und erfreut über deine Gedanken.
    Danke, dass ich daran teilnehmen darf.
    Ursula

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