August

August wandte sich an August. „August, hör mal.“ „Ja.“ „Ich finde es zu schwierig.“ „Was findest du zu schwierig?“ „Diese Kommunikation.“ „Welche Kommunikation?“. „Dass wir uns alle mit August anreden.“ „Hm. – Ich verstehe nicht, warum das ein Problem sein soll.“ „Ich möchte mich persönlich angesprochen fühlen, wenn jemand sagt: ‚August, das und das'“. „Wenn dich jemand anspricht, bist du doch persönlich angesprochen.“ „Ja, jetzt, wenn wir gerade nur wir zwei sind. Aber wenn die anderen dabei sind, bin ich niemand.“ „Du bist immer jemand. Du bist immer August, ob du alleine bist, mit mir zusammen oder mit jemand anders oder wenn du dich in der Gruppe aufhältst. Immer bist du der einzigartige August.“ „Ich weiss das, aber ich fühle das nicht, wenn wir in der Gruppe sind. Wenn jetzt jemand in den Raum treten und sagen würde: ‚August, dann findet das statt.‘ Wen würde das betreffen, dich oder mich?“ „Denjenigen, der angesprochen wird.“ „August, wir heissen doch beide August und wenn jemand nach August fragt, wer ist dann gemeint, du oder ich?“ „Derjenige, den es betrifft.“ „August, bitte mach es mir doch nicht so schwer.“ „August, ich will dir nichts schwer machen. Ich bin ich und du bist du. Ich werde das Thema aber heute nach dem Abendessen aufnehmen und wir diskutieren es mit den anderen. Einverstanden?“ „Ja, August, vielen Dank für dein offenes Ohr.“

Nach dem Abendessen bat August um Aufmerksamkeit und alle hörten ihm interessiert zu. August erklärte ihnen das Problem von August und dass er es eigentlich nicht verstand. Sie diskutierten bis tief in die Nacht. Einigen ging es wie August. Andere konnten regelrecht mit August mitfühlen. Obwohl auch nach vielen Stunden längst nicht alle das Problem von August verstanden, einigten sie sich darauf, das Thema, das für einige belastend war, anzugehen. Die Lösung war dann rasch gefunden. Sie nummerierten sich dem Alter nach. Der älteste erhielt die Ziffer eins, der jüngste die Nummer einunddreissig.

Am nächsten Vormittag klopfte der 31. August an die Türe des 1. August. „Herein, willkommen!“ Der 31. August öffnete die Türe und sagte: „Guten Morgen 1. August, wie geht es dir?“ Der 1. August sah ihn freundlich an und sagte: „Guten Morgen auch dir, ich fühle mich beschwingt und du siehst sehr gut aus, mein lieber 31. August. Es freut mich sehr, dass es dir offenbar ausgezeichnet geht.“ Der 31. August strahlte ihn an, wie das nur Augusttage können, drehte sich auf dem Absatz um, flitzte los und rief über die Schulter: „Ich gehe jetzt auch bei allen anderen vorbei.“ Der 1. August lächelte. Er fühlte sich auch anders, er nahm eine Energie wahr, die am Vortag noch nicht da war oder er hatte sie noch nie bemerkt. Er konnte sich von Herzen eingestehen, dass es gut war, hatten sie sich des Problems von August angenommen und eine Lösung gesucht.

Er wandte sich wieder seiner Arbeit zu. Es würde einige Zeit dauern, bis er alle Adressänderungen veranlasst hatte. Jeder Tag im August war nun individuell gekennzeichnet.


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