Ich lasse meine Gedanken wandern… und stelle mir vor, ich läge wie auf einer grünen Wiese. Ich habe eine weiche Decke ausgelegt und an ein bequemes Kissen hatte ich auch gedacht. Ich schaue nach oben, in das Gehirn über mir.
Ich staune. Was da alles läuft. Andauernd schiessen Signale via Rückenmark an mir vorbei. Auch jetzt, da ich doch nur entspannt liege und in das Gehirn über mir schaue. Entspannt? Irgendwie ja, aber auch nicht. Meine Muskeln reagieren auf das Staunen. Wenn ich meine Aufmerksamkeit vom Gehirn weg auf meine Muskeln richte, werde ich mir mal da, mal dort Anspannungen bewusst, die ich auch wieder auflösen kann. Daran denken, atmen, loslassen. Grossartig. Und schon meldet sich ein anderer Muskel. Tut mir leid, jetzt grad nicht, ich möchte noch weiter „Gehirn schauen“. Die Befehle, die hin und her blitzen. Wie Sternschnuppen, die durchs All hetzen. Ich sehe meine Erinnerungen und sie lösen Gefühle aus. Ich schaue nur und mein Herzmuskel, der Blutdruck, meine Atmung, meine Hormone reagieren. Wenn ich schaue, ist immer jede Zelle von mir beteiligt.
Und das geht weiter so. Auch wenn meine Augen geschlossen sind. Auch wenn ich dereinst vielleicht nicht mehr beschreiben kann, was ich sehe, fühle, denke. … Es geht weiter, bis meine Augen für immer geschlossen sind.
Der Text entstand zur Ausstellung „Bild und Text zum Vergessen“, 10.2024 – 01.2025, Romanshorn TG.
Entdecke mehr von Geschichten
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.