Ich sitze im Zug.
Die Augen geschlossen.
Hellwach.
Ich nehme das aufgeregte Tschilpen der äusseren Schiebetüren wahr, das abrupt endet, wenn die Türen geschlossen sind. Die Lüftung hat ihr leises Rauschen beim Aufenthalt im Bahnhof nicht unterbrochen und steuert einen ebenmässigen Klangteppich bei. Hin und wieder meldet sich die Innenausstattung mit einem Scheppern, je nach Geschwindigkeit des Zuges und Art der Schiene.
Fetzen aus den Gesprächen der Mitreisenden mischen sich mit den Klängen der Technik.
Von aussen finden verschiedene und sich ständig wechselnde Geräusche den Weg ins Innere des Waggons. Tausend Pferdestärken sausen dahin. Der Fahrtwind verursacht abwechslungsreiche pfeifende Töne. Wenn wir über Weichen rollen, ändern sich die Laute. Metallräder, die sich in die Schienen drücken. Offenbar sind die Weichen nicht so satt, wie Geleise, die keinen Richtungswechsel zulassen. Schleifende Geräusche zaubern Hühnerhaut auf meine Unterarme, wenn die Geschwindigkeit des Zugs gedrosselt wird. Zuerst ganz leise, dann einem Crescendo gleich lauter werdend, bis die Bremsen die Oberhand haben. Bereits werden sie kontinuierlich leiser. Flott eilt das Fahrzeug dahin. Wir kreuzen einen anderen Zug, der auch in Eile ist. Die beiden Eisenbahnen zwängen sich aneinander vorbei. Die Fahrtwinde prallen aufeinander, möchten den Gegenspieler wegdrücken, es gelingt nicht, doch die Schallwellen erreichen die Ohren der Reisenden. Ganz ähnlich im Tunnel, doch jetzt ist es stockdunkel und schon werden wir von gleissendem Licht getroffen, wir sind wieder draussen.
Blam-blim-blom, „nächster Halt Sowieso. Die Türen öffnen sich in Fahrtrichtung rechts. Reisende nach Immergrün bitte umsteigen.“ Bremsen, Anhalten. Das Öffnen der Türen wird von einem anhaltenden Signalton begleitet. Da Capo, die Türen schliessen wieder.
Die Dampflokomotiven stampften mit regelmässigen Geräuschen durch die Landschaft Die Geräusche des Zugs haben sich mit der industriellen Entwicklung und den Materialien verändert. Die Melodien der Reisenden blieben konstant: Räuspern, husten, schnäuzen, schwatzen, rascheln, schmatzen, lachen, kichern, schimpfen, flüstern, schnarchen.
Die Reise geht weiter.
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