Reif

Fotos von mir zeigen mir, dass ich stetig faltiger werde.
Mein Geist sortiert meine Erfahrungen nach Datum und Lebensjahren.
Meine Seele kennt keine Chronologie, keinen Kalender.

Ich weiss, dass Emotionen eine Halbwertszeit haben; unerträglicher Schmerz wie überschwängliche Freude.
Ich weiss, dass ich werde weitergehen können; vielleicht nicht immer sofort, aber ich werde weitergehen.

Und ich weiss, dass meine Seele niemals vergisst. Ein sanfter Luftzug, eine leise Melodie, ein Geräusch, ein Wort, ein Duft, ein zufälliger Blick auf etwas, ein Geschmack oder – meistens – ein Gedanke, dessen Herkunft unerklärlich erscheint… und etwas Vergangenes ist da, wie wenn es eben erst geschehen wäre. Wie wenn ich gerade jetzt die Nachricht erhalten hätte, wie wenn ich dich gerade jetzt daliegen sehen würde. Was immer es war, für meine Seele war es nicht, es ist.

Und wenn mich das Ist meiner Seele traurig macht, ist es meine Entscheidung, ob ich sie bei der Hand nehme und mit ihr unsere Erinnerungen erkunde, bis wir den Gegenpol zum Schmerz gefunden haben, und die Freude zulasse, so dass sie jede Körperzelle umhüllen, beschützen und in eine wohltuende Schwingung versetzen kann.


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