«Hast du einen Hund?»
«Nein.»
«Willst du einen Hund, wenn du mehr Zeit hast? – Nach deiner Pensionierung?»
«Nein.»
«Warum nicht?»
«Muss ich das begründen? – Ich habe keine Schafe.»
«Ich habe dich freundlich etwas gefragt. Warum reagierst du so abweisend?»
«Ich weise dich nicht ab, sondern ich informiere dich, dass ich keine Schafe habe.»
«Ich habe dich gefragt, warum du keinen Hund möchtest und du sprichst von Schafen.»
«—»
«Warum sagst du nichts?»
«Du hast keine Frage gestellt.»
«Warum reagierst du mit einer sogenannten Umleitung, wie man das machen kann, wenn das Gegenüber eine dumme Bemerkung macht, wenn ich dich frage, warum du keinen Hund möchtest?»
«Hä?»
«Kommunikationskurs, ‚Nie mehr sprachlos‘: ‚Niemand kann einen zwingen, auf die Bemerkungen anderer Leute einzugehen. Sprich einfach über ein anderes Thema oder über das, was für dich wichtig ist. Benutze dafür überleitende Worte.‘
Wie du das gemacht hast: Ich habe dich nach Hund gefragt und du antwortest mit Schaf.»
«Wenn man Schafe hält, braucht man einen Hund, damit der Wolf die Schafe nicht reisst. Dabei geht es nicht um Kommunikation, sondern um den Schutz der Schafe und damit um den Schutz des Einkommens des Schäfers und der Eigentümer der Schafe. Bleib bitte beim Thema.»
«ICH soll beim Thema bleiben!?!»
«Ja, du.»
«Ich habe einen Hund, weil ich mich gerne in der Natur aufhalte und das macht mit Hund noch mehr Spass. Ich habe Freude daran, einen Hund zu erziehen und er bringt mich auch immer wieder zum Lachen.»
«Warum erzählst du mir das?»
«Du bist verletzend.»
«Das tut mir leid. Ich hatte eine Frage von dir ehrlich beantwortet und jetzt bist du verletzt. Das wollte ich nicht. Wenn du über deinen Hund sprechen möchtest, sag mir das. Das interessiert mich.»
«Wenn es dich interessieren würde, würdest du nicht mit Schaf antworten.»
«Interpretiere ich richtig: Du erwartest, dass ich verstehe, was du von mir möchtest, wenn du mir eine Frage stellst, die sich mir nicht stellt und bist jetzt, da wir kommunikationsmässig in einer sehr unbefriedigenden Situation stecken, nicht bereit, mir auch nur minim entgegenzukommen?»
«Hast du etwas gegen Hunde?»
«Nein.»
«Hast du etwas gegen Hundehalter?»
«Nein.»
«Möchtest du mit mir und Oskar mit zum Spazieren kommen?»
«Wer ist Oskar?»
«Mein Hund.»
«Oskar ist ein Menschenname.»
«Ja, auch. Es gibt aber kein Gesetz, das vorschreibt, wie Hundenamen lauten dürfen oder nicht lauten dürfen.»
«Bei den Menschen gibt es das.»
«Können wir bei den Hunden bleiben?»
«Interessieren dich Hunde mehr als Menschen?»
«Sicher nicht. Oskaaar! Hier! Sitz!»
«Ich komme mit euch mit.»
«Warum?»
«’Hier‘ bedeutet doch, dass Oskar zu dir kommen und bleiben muss, oder?»
«Ja. Und?»
«Mein Name ist Oskar und ich würde dich gerne näher kennen lernen.»
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