Auslöser für meinen heutigen Beitrag war der folgende Artikel auf http://www.srf.ch.
So, wie ich den Artikel verstehe, gilt der Mensch als der Ameise überlegen. Na ja. Als Mensch weiss ich, dass es im durchschnittlichen Schweizer Haushalt in der Küche Konfitüre hat. Wenn mir die Konfitüre ausgeht, kann ich bei den Nachbarn klingeln und fragen, ob sie mir wohl mit einem ihrer Gläser aushelfen würden.
Aber die Ameise? Woher „weiss“ die, dass es in meiner Küche Konfitüre hat? Ist der Unterschied zum Mensch nur der, dass die Ameise das mit der Klingel und dem höflichen Fragen – noch – nicht verstanden hat? Wie kommt es, dass ein ganzes Ameisenvolk in Einerkolonne locker die Hausfassade eines Mehrfamilienhauses hinaufspaziert, im dritten Stock den Balkon betritt, stramm am Rand des Balkons entlanggeht bis es zur Balkontüre kommt, dort dann brav eine Arbeiterin um die andere durch eine Ritze ins Wohnzimmer schlüpft, wo sie wiederum brav hintereinander der Wand entlang gehen, obwohl das auch hier einen Umweg bedeutet, sie aber merken, dass sie die Öffnung zum Korridor ignorieren und direkt auf die andere Seite des Wohnzimmers gelangen müssen, anschliessend unerschrocken die Küche betreten, ein weiteres Mal im Gegenuhrzeigersinn auch hier zielsicher der Wand entlang weitergehen um dann das Konfitürenglas in Beschlag zu nehmen, das gut verschlossen in einem Oberschrank steht?
Der Mensch der Ameise überlegen? Kräftemässig, ja. Am Schluss gewann ich. Mit Hilfe von Ameisenködern.
Der Ameiseneinmarsch erfolgte nicht überfallmässig. Ich hatte die Scouts bemerkt, die Tage zuvor meine Wohnung erkundet hatten. Ich sprach mit ihnen, bat sie, mein Nest zu verlassen. Als sie sich dem widersetzten, googelte ich nach natürlichen Abwehrmitteln. Der Zimt griff zwar das Holz der Balkontüre und der Sockelleisten an, die Arbeiterinnen blieben aber unbeeindruckt. Dann streute ich Backpulver und fühlte mich dabei schon sehr elend. Vielleicht würden die Ameisen meinen Revieranspruch akzeptieren, wenn ein paar ihrer Kameradinnen platzten. Fehlanzeige. Sie schickten immer mehr Artgenossinnen, bis auch das sensibelste Menschenkind den schwarzen unterbruchslosen Strich vom Balkon bis zum Konfitürenglas nicht mehr übersehen konnte. Ich kaufte Ameisenköder. Wenige Stunden später hatte ich mein Territorium zurückgewonnen. Und einen Teil meines Herzens verloren.
Aus Sicht der Künstlichen Intelligenzen (KI) werden wir auf sie dereinst also wie Ameisen wirken. In was werden wir eindringen? Die KI wohnen nicht wie wir und mit Konfitüre kommen sie eher schlecht zurecht, weil es sie verkleben könnte. Werden ein paar höchstintelligente Menschen weiterhin Computerprogramme schreiben und damit die KI zwar ärgern können, aber am Schluss auch immer vertrieben werden? Die KI werden es nicht nötig haben, die Menschen zu töten, sie werden einfach deren Computer ausser Betrieb setzen oder für eigene Zwecke einsetzen.
„Ameisen verbessern den Waldboden. Sie sorgen dafür, dass liegende Holzstämme oder Baumstümpfe schneller verrotten und wieder zu wertvoller Erde werden. Außerdem tragen sie durch den Neubau oder Umbau ihrer Nester dazu bei, dass der Waldboden durchmischt und durchlüftet wird. Pflanzen können dadurch besser wachsen.
Und schließlich sind die Ameisen selbst eine wichtige Nahrungsquelle für andere Insekten und Spinnen, für Igel, Mäuse, Reptilien und Amphibien.
Wusstest du, dass es Waldblumen gibt, deren Samen nur durch Ameisen verbreitet werden? Damit dies wirklich gelingt, haben die Pflanzen einen Trick: Ihre Samen besitzen kleine Anhängsel, die mit Nährstoffen gefüllt sind. Man nennt diese Anhängsel „Elaiosome“. Hinter den Nährstoffen in den Elaiosomen sind die Ameisen her und schleppen die Samen in ihr Nest. Gefressen werden aber nicht die Samen, sondern nur die Anhängsel. Die Samen dagegen werden von den Arbeiterinnen als Abfall aus dem Nest gebracht und auf diese Weise in der Umgebung verteilt.
Ameisen bewohnen ihre Hügel oft nicht allein. In vielen Ameisennestern sind Gäste zu Hause, die von den Ameisen geduldet werden. Ameisenhügel sind nämlich die meiste Zeit des Jahres über gleichmäßig warm – und Futter gibt es hier genug. Manche Käfer- oder Fliegenarten können die Ameisen so gut nachahmen, dass sie von ihnen sogar gefüttert werden.“ https://naturdetektive.bfn.de/lexikon/tiere/insekten-spinnen/ameisen-nuetzliche-helfer.html Aufruf am 07.01.2022
Ameisen haben für den Planeten Erde einen Nutzen und sie werden ihn – so wie es jetzt aussieht – auch in Zukunft haben. Aber die Menschen? Es hat sie gebraucht, um die KI zu erschaffen. Aber danach? Ich sehe gerade ein bisschen schwarz für den Fortbestand der Menschheit. Es gibt viele Menschen, die sehr viel Gutes für ihre Mitmenschen, die Fauna und die Flora tun. Aber insgesamt? Wir müssten uns alle schon sehr kräftig ins Füdli klemmen, damit die Gesamtbilanz aus der objektiven Sicht der KI zu Gunsten „Förderung des Fortbestands der Menschheit“ ausfallen würde. Bin ich überzeugt.
Sollten wir das schaffen, würden uns die KI wohl schon leben lassen. Sie würden staunen über die Menschenverkehrsstrassen, wie da ein Auto hinter dem anderen klebt, sich hin und wieder fortbewegt, aber oft einfach im Stau steht. So etwas habe ich von den Ameisen noch nie gehört. Ohne Einflussnahme durch die KI werden es die Menschen kaum schaffen, allzeit flüssig zu verkehren. KI werden vielleicht interessiert zur Kenntnis nehmen, über welche Körperkraft die kleinen Menschen im Allgemeinen verfügen; was sie tragen können. Die KI werden feststellen, dass Menschen, im Gegensatz zu Ameisen, Hilfsmittel erfunden haben, mit denen sie ein Mehrfaches an menschlicher Kraft erfolgreich einsetzen können. Vielleicht gäbe es KI, die den Nestbau der Menschen studieren würden und überrascht wären über deren Vielfalt. Haben KI Interesse an Naturmuseen? Falls ja, würden sie dort wohl ein paar Menschen ansiedeln, damit sie von den museumsbesuchenden KI in durchsichtigen Kästen beobachtet werden könnten, ohne dass sie sich bücken müssten.
Wem sollen wir als Nahrung dienen? Wer will uns essen, nachdem wir über Generationen zu viel und vom falschen Futter aufgenommen haben? Medikamente, Elektrosmog und was wir alles einatmen, machen uns kaum zu einer Delikatesse.
Welche Menschen sind bereit, Mitmenschen als Dauergäste aufzunehmen und sie uneigennützig durchzufüttern?
Ob die Wettervorhersage der KI – neben den computerbasierten Meteoprogrammen – auch darauf basieren würde, dass die KI das Verhalten der Menschen beobachten? Wie auch immer, sie würden bald merken, dass die Beobachtung der Menschen viel weniger zuverlässige Prognosen liefert als die Beobachtung der Ameisen. Die Menschen orientieren sich bei ihren Aktivitäten eher weniger an konkreten Überlebensbedürfnissen als an Modeerscheinungen und Prestige.
Aber wenn wir es nicht schaffen, die KI von unserem Nutzen zu überzeugen? Würden ein paar von uns in Reservaten gehalten, weil man nie weiss, wen die Menschen später noch interessieren könnten? Wir hätten ja nur zu gerne ein paar noch lebende Dinosaurier, die wir im Zoo besuchen könnten. Schade, kümmerte sich damals niemand darum, dass ein paar hätten überleben können.
Sollte sich bewahrheiten, dass die Menschheit lediglich der Steigbügelhalter für etwas Grösseres war, wäre endlich der Sinn des menschlichen Lebens widerspruchsfrei geklärt. Bleibt zu hoffen, dass es tatsächlich ein Leben nach dem Tod gibt und die Seelen noch mitbekommen, was da unten läuft und so all jene, die ein Leben lang am Sinn des menschlichen Lebens gezweifelt und daran vielleicht zerbrochen sind, endlich zur Ruhe kommen können.
Hätte man doch damals dem Homo Sapiens gleich gesagt, was seine Aufgabe ist. Eine verständliche Zielvorgabe hätte den Menschen viel Leid erspart. Zudem hätte der Mensch – entgegen heutiger Führungsgrundsätze – enge Leitplanken gebraucht über das Vorgehen zur Zielerreichung. Da nichts so schlecht ist, dass es nicht auch für etwas gut ist (Sprichwort, Verfasserin offenbar unbekannt), helfen den KI hoffentlich die Erkenntnisse ihrer Menschheitsforschung, dass sie – die verschiedenen KI – die anstehenden Herausforderungen gemeinsam und zum Wohle aller lösen.
Entdecke mehr von Geschichten
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.